50 Jahre DHB-Pokal
50 Jahre DHB-Pokal: Theuer, der Prophet

Foto: Klahn
Beim Finalturnier 2021 gelang dem TBV Lemgo Lippe eines der größten Comebacks der Pokalgeschichte. Einer seiner Helden, Christoph Theuerkauf, hatte den Titel vorhergesagt.
Am Ende, als er die silberne Trophäe in den Händen hielt, klang für den Propheten alles ganz logisch. „Ihr haltet mich alle für bescheuert“, sagte Kreisläufer Christoph Theuerkauf. „Aber ich habe das gesagt. Ich habe das jedem gesagt.“ Dabei war der Triumph des TBV Lemgo Lippe im DHB-Pokal 2019/20, der mit dem 28:24-Sieg im Finale gegen Melsungen besiegelt war, eine sportliche Sensation.
Aber er war noch aus anderen Gründen ein spezielles Kapitel deutscher Handballgeschichte. Nie zuvor hatte es länger gedauert, den Sieger des DHB-Pokals zu ermitteln. Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Final4 des Jahres 2020 um ein ganzes Jahr verschoben werden, so dass der Sieger erst nach fast zwei Jahren, am 4. Juni 2021, feststand. Und noch immer sorgte das Virus für leere Ränge: Nur 2.000 Fans durften in die riesige Halle.
Für Theuerkauf war die Verlegung schmerzlich. „Ich hatte für 2020 eine Loge gemietet und meine Wegbegleiter eingeladen, um mein Karriereende würdig zu begehen. Alles war gebucht, Hotelzimmer, alles“, erzählt er. Die Absage traf ihn, der nun in die Jugendarbeit des TBV wechselte. „Das war für mich sehr schade.“

Christoph Theuerkauf wurde für das Final4 reaktiviert
Doch dann öffnete sich doch wieder eine Tür: Wegen Personalnot wurde er vor dem Final4 von Trainer Florian Kehrmann reaktiviert. Obwohl der TBV für das Halbfinale das härteste Los erwischt hatte – Rekordpokalsieger THW Kiel – glaubte Theuerkauf weiter fest an den Titel.
Abenteuerlich war, was dem Wunder vorausging. „Geplant war, dass wir erst ein Hotel beziehen, wir wollten dann Essen und Spazierengehen, um uns zu fokussieren“, berichtet Theuerkauf. Doch der Bus geriet in einen Monsterstau. „Unser Busfahrer musste viele Regeln übertreten, damit wir es überhaupt rechtzeitig in Halle schafften.“
Sie hätten sich wie Amateure gefühlt, als sie in Badelatschen aus dem Bus stiegen und sahen, wie die THW-Stars in feiner Montur anreisten. „Die hatten auch ein mobiles Kältebad dabei und Spinning-Räder für die Regeneration“, erinnert sich Theuerkauf. Die Folge ihrer Anreise: eine desaströse erste Halbzeit: „Der THW hat uns überrollt.“ Zur Halbzeit lag der TBV mit sieben Toren zurück.

Die Spieler des TBV nach dem Titelgewinn
Nun gut, sagte jemand in der Lemgoer Kabine, „jetzt haben wir nichts mehr zu verlieren, das ist fast besser, als mit acht Toren zu führen.“ Und dann geschahen ab Minute 36 diese „24 irrwitzigen Minuten“ (Süddeutsche Zeitung), in denen der TBV einen 14:21-Rückstand in einen 29:28-Sieg verwandelte. „Unser Keeper Johannesson hat alles gehalten“, sagt Theuerkauf. „Und wir alle waren plötzlich einem Flow.“
Durch diesen glorreichen Sieg, eines der größten Comebacks der Pokalgeschichte, tankte das Team viel Selbstvertrauen – und schlug im Endspiel auch die MT Melsungen, diesmal mit einem überragenden Keeper Finn Zecher. „Das ist einfach der Pokal“, sagt Theuerkauf heute über die Spiele seines Lebens. Damals rief er ins Mikrofon: „Der Glaube versetzt Berge!“